Wann brauche ich einen Steuerberater?
Kurzantwort: Einen Steuerberater brauchen Sie, wenn Sie bilanzierungspflichtig sind (GmbH oder Umsatz über EUR 700.000), komplexe steuerliche Situationen haben oder eine Betriebsprüfung ansteht. Als Kleinunternehmer oder EPU mit einfacher Einnahmen-Ausgaben-Rechnung können Sie die Steuererklärung oft selbst erledigen.
Pflicht vs. freiwillig: Die rechtliche Lage
In Österreich gibt es keine generelle Pflicht, einen Steuerberater zu beauftragen. Jeder darf seine Steuererklärung selbst einreichen — auch als GmbH-Geschäftsführer. In der Praxis gibt es aber Situationen, in denen die Selbsterledigung riskant oder unrealistisch ist.
Bilanzierungspflicht besteht ab einem Jahresumsatz von EUR 700.000 (in zwei aufeinanderfolgenden Jahren) oder bei bestimmten Rechtsformen (GmbH, AG). Ohne Steuerberater ist eine korrekte doppelte Buchhaltung und Bilanzierung für die meisten Unternehmer kaum machbar.
Wann ein Steuerberater sinnvoll ist
- GmbH-Gründung oder -Führung: Bilanzierungspflicht, Körperschaftsteuer, Gewinnausschüttung — hier brauchen Sie Expertise
- Umsatz über EUR 700.000: Ab dieser Grenze wird die Buchhaltung komplex und fehleranfällig
- Mitarbeiter: Lohnverrechnung mit Sozialversicherung, Lohnsteuer und Kommunalsteuer ist fehleranfällig
- Immobilien: Vermietung, Abschreibung, Grunderwerbsteuer und Liebhaberei-Prüfung erfordern Fachwissen
- Auslandsbezug: Doppelbesteuerungsabkommen, EU-Meldungen und ausländische Einkünfte
- Betriebsprüfung: Hier vertritt ein Steuerberater Ihre Interessen gegenüber dem Finanzamt
- Unternehmensverkauf oder Umgründung: Steueroptimierung kann hier zehntausende Euro ausmachen
Wann Sie ohne Steuerberater auskommen
- Kleinunternehmerregelung (unter EUR 35.000 Umsatz): Einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, keine USt-Pflicht
- EPU mit wenigen Belegen: Unter 50 Belege pro Monat, keine Mitarbeiter, klare Geschäftsfälle
- Arbeitnehmerveranlagung: Die jährliche Steuererklärung als Angestellter ist über FinanzOnline gut machbar
- Buchhaltungssoftware vorhanden: Tools wie ProSaldo, BMD NTCS oder sevDesk führen durch den Prozess
Die Zwischenlösung: Teilweise auslagern
Viele Unternehmer wählen einen Mittelweg: Sie erledigen die laufende Buchhaltung selbst und beauftragen den Steuerberater nur für den Jahresabschluss und die Steuererklärungen. Das spart Kosten und stellt trotzdem sicher, dass die kritischen Bereiche professionell erledigt werden.
Wenn Sie unsicher sind, lohnt sich ein Erstgespräch — die meisten Steuerberater bieten das kostenlos an.
Weiterführende Ratgeber
- Was kostet ein Steuerberater? — Stundensätze, Pauschalen und Spartipps
- Buchhaltung auslagern oder selbst machen? — Detaillierter Kosten-Vergleich
- Steuerberater für Gründer — Spezielle Tipps für die Gründungsphase
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Steuerberater suchenarrow_forwardDieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung.