Steuerberater für Gründer: Was du wissen musst
Kurzantwort: Als Gründer solltest du spätestens vor der Rechtsformwahl mit einem Steuerberater sprechen — die Entscheidung zwischen EPU und GmbH hat massive steuerliche Auswirkungen. Ein Erstgespräch ist meist kostenlos, und die Gründungsberatung kostet typischerweise EUR 500–1.500 einmalig.
Warum die Rechtsform alles entscheidet
Die wichtigste steuerliche Entscheidung als Gründer ist die Wahl der Rechtsform. In Österreich gibt es drei gängige Optionen:
- Einzelunternehmen (EPU): Einfach zu gründen, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, progressiver Einkommensteuertarif (0–55 %). Ideal bei niedrigem bis mittlerem Gewinn (unter ca. EUR 60.000)
- GmbH: 25 % Körperschaftsteuer (ab 2024 23 %) + 27,5 % KESt auf Ausschüttungen. Vorteilhaft ab ca. EUR 60.000–80.000 Gewinn. Stammkapital: EUR 10.000 (gründungsprivilegiert: EUR 10.000, davon EUR 5.000 einzuzahlen)
- OG/KG: Personengesellschaften, die bei mehreren Gründern relevant werden. Transparenzprinzip — Besteuerung auf Gesellschafterebene
Ein Steuerberater mit Gründungserfahrung rechnet dir durch, ab welchem Gewinn eine GmbH steuerlich sinnvoll ist — und berücksichtigt dabei auch SVA-Beiträge und Gewinnfreibeträge.
Diese Gründungskosten sind absetzbar
Viele Kosten, die vor oder während der Gründung anfallen, können als Betriebsausgabe oder vorweggenommene Betriebsausgabe abgesetzt werden:
- Notarkosten und Firmenbuch-Eintragung
- Steuerberatungs- und Rechtsberatungskosten
- Gewerbeanmeldung und Kammerbeiträge
- Büromöbel, IT-Ausstattung und Software
- Fortbildungen und Kurse zur Vorbereitung
- Website-Erstellung und Marketing-Kosten
Wichtig: Bewahre alle Belege ab dem ersten Tag auf — auch Kosten bis zu 3 Jahre vor der Gründung können rückwirkend geltend gemacht werden.
Die wichtigsten Steuer-Fristen für Gründer
- Gewerbeanmeldung: Vor Aufnahme der Tätigkeit
- Finanzamt-Meldung: Innerhalb eines Monats nach Gründung (Fragebogen Verf24)
- Umsatzsteuervoranmeldung (UVA): Monatlich oder quartalsweise, je nach Umsatz
- Einkommensteuererklärung: Bis 30. Juni des Folgejahres (mit Steuerberater: bis 30. April des übernächsten Jahres)
- Kleinunternehmerregelung: Unter EUR 35.000 Nettoumsatz — keine USt-Pflicht, aber Verzicht auf Vorsteuerabzug
Worauf du bei der Steuerberater-Wahl achtest
- Gründer-Erfahrung: Frag gezielt nach Referenzen mit Startups oder Neugründungen
- Branchenkenntnis: Ein Steuerberater, der deine Branche kennt, sieht Optimierungspotenziale
- Digitale Tools: Moderne Kanzleien bieten Belegupload per App und digitale Zusammenarbeit
- Transparente Preise: Lass dir ein Pauschalangebot geben, bevor du dich bindest
- Erreichbarkeit: Als Gründer hast du oft kurzfristige Fragen — gute Erreichbarkeit ist Gold wert
Alternative: Erst selbst starten
Als EPU mit wenigen Belegen kannst du die Buchhaltung anfangs selbst machen und erst bei Wachstum einen Steuerberater hinzuziehen. Tools wie ProSaldo, BMD Easy oder sevDesk machen den Einstieg einfach. Spätestens wenn du Mitarbeiter einstellst oder die Bilanzierungsgrenze erreichst, wird professionelle Hilfe unverzichtbar.
Weiterführende Ratgeber
- Was kostet ein Steuerberater? — Detaillierte Kostenübersicht
- Wann brauche ich einen Steuerberater? — Entscheidungshilfe
- Buchhaltung auslagern oder selbst machen? — Kosten-Vergleich
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Steuerberater suchenarrow_forwardDieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung.